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2026 starte ich mit einer Einzelausstellung in den Galerieräumen von Kwartier Nord. Der gemeinnützige Verein bietet seit ca 3 Jahren Kreativen und Kunstschaffenden eine freie Plattform für Ausstellungen, Austausch und Dialog mit öffentlichen Publikum und Kulturszene. Meine Ausstellung mit dem Titel »THE UNFRIENDLY GHOST« umfasst insgesamt 18 Siebdruckarbeiten, wobei ein Drittel davon speziell für diese Ausstellung neu entstanden ist. Besonders spannend waren die lokale Verankerung und der damit verbundene Dialog mit den Besuchern. Ein besonderer Dank gilt Irving Villegas, Ulrike Behlau und Frederike Albers für ihre umfangreiche Unterstützung beim Aufbau, der Eröffnung und der Öffentlichkeitsarbeit für meine Ausstellung.

 

Vernissage / opening / Kwartier Nord / 13.02.2026 / Photos by Irving Villegas

 

Ausstellungstext – THE UNFRIENDLY GHOST

Martin Grobeckers Bilder loten jenen Geist des Gehässigen und Absurden aus, welcher spätestens mit der „Slopification“ des Cyberspace und der beschleunigten Zersetzung der materiellen Lebenswelt um sich greift. Aus jenem Schwall von Antiästhetik, destruktiven Kausalitäten des Alltäglichen destilliert der Künstler ein bildnerisches Konzentrat – zwischen Kitsch und vulgärem Schauer, zwischen flachem Kalauer und dunkler Poesie.

Grobecker entwirft düstere, sarkastische Szenerien, die wie Parabeln wirken, sich mittlerweile kaum noch vom aktuellen Weltgeschehen unterscheiden lassen. Figuren und Handlungen überfrachten das Bildformat. Die Überladung wird zur kalkulierten Zumutung für die Betrachter:innen. Grobecker erhebt die alltägliche Unübersichtlichkeit – im Großen wie im Kleinen – und die daraus resultierende Überforderung zum Stilmittel. Seine figurativen Szenarien sind überkomplex und verrätselt, doch ihre narrative Darstellung verfangen durch ihre rohe Direktheit, die nicht selten an das Vulgäre grenzt.

Ausstellungsansicht / exhibition view / Kwartier Nord / 2026 / Photos by Irving Villegas

Hier begegnen sich Wiedergänger längst verdrängter Sitcoms, exhumierte Persönlichkeiten der jüngeren Vergangenheit, surreale Mischwesen und cartoonartige Fratzen. Es ist ein Zerrbild eines fortgeschrittenen Niedergangs ohne Rückfahrkarte. Auf den ersten Blick scheinen Motive und Referenzen willkürlich gewählt, entlehnt aus einem überreichen Fundus an Bildtraditionen: Mal bedient sich Grobecker des Stilmittels der klassischen Fabel und reichert diese mit präzisen Naturdarstellungen an, um dann schmerzbefreit in die Bildsprache flämischer Malerei zu wechseln. Das scheint beliebig, doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich ein Netz sorgfältig durchdachter Referenzen und Bildaussagen.

Ein weiteres zentrales Motiv ist die Ästhetik des Zerfalls, die als unheilvolle, metaphysische Kraft wirkt. Das Dargestellte entspringt einer düsteren Parallelwelt, in der die Natur als destruktive Konstante agiert. Um diese Wirkung zu beschreiben, entlehnt Grobecker den Begriff der „Entropie“ aus der Thermodynamik – nicht naturwissenschaftlich, sondern als philosophischen Spiegel, der die Vergänglichkeit jeder Ordnung und die Unausweichlichkeit des Verfalls reflektiert. Der Niedergang selbst ist absurd, wird jedoch durch den prätentiösen Kitsch der Figuren und Handlungen noch gesteigert.

Ausstellungsansicht / exhibition view / Kwartier Nord / 2026

Doch drängt sich da nicht der Verdacht auf, Grobeckers Positionen reihten sich in die bequeme Tradition bloßer Untergangsgesänge ein? Braucht es nicht mehr als einen nihilistischen Fußtritt in Bildform? Ist Grobecker letztlich nicht selbst nur ein destruktiver Mitesser, seine von Unterkomplexität und schlechter Laune ausufernde Ausstellung gar eine offene Kapitulation gegenüber der anhaltender Disruptionen? Oder verbrennt mitten im chaotischen Zerfall und sarkastischem Gelächter nicht doch so etwas wie ein plausibler Plan?

Text: Carsten Sauer 2026

Ausstellungsansicht / exhibition view / Kwartier Nord / 2026 / Photos by Irving Villegas
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